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Impressionen aus der Grundschule Thulbatal

Elisa hat keine Berührungsängste mit der L5 Raupe vom Kleinen Nachtpfauenauge

Der kleine Fridolin

Fridolin war der erste, der schlüpfte und wird wohl der Liebling bei allen in der Grundschule Thulba bleiben. Aber auch der Kleinste, Hansi, ist mittlerweile, fingerdick, knallgrün mit schwarzen, haarigen Streifen und steht kurz vor seinem nächsten Lebensabschnitt. Die Rede ist von Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges. Über ein vom Umweltministerium gefördertes Projekt der BN-Kreisgruppe haben 45 Schulklassen und Kindergärten im Landkreis Bad Kissingen 500 Eier oder Raupen des Nachtfalters bekommen, um sie selbständig mit den Kinder aufzuziehen.

Um den 9. Mai sind die Raupen geschlüpft. Nach sechs Wochen und vier Häutungen stehen die Tiere kurz vor der Verpuppung. Dann werden sie die meiste Zeit ihres Lebens im Kokon verbringen. Im Frühjahr befreien sich die Schmetterlinge, suchen einen Partner, legen Eier und... sterben innerhalb weniger Tage ohne jemals vom süßen Nektar einer Blume gekostet zu haben. „Warum müssen sie denn gleich wieder sterben?“ Eine häufig von den jungen Teilnehmern gestellte Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist. „Das kann ich gleich mit dem Religionsunterricht verbinden, denn wir alle müssen einmal sterben,“ erklärt Lehrerin Patricia Waldig. Oder auch mit dem Fach Biologie: Denn es gibt verschiedene Strategien das Überleben der Art zu sichern: Beim Mensch ist eine lange Brutpflege mit wenigen Kindern, bei den Schmetterlingen Hunderte von Eiern, die auf sich allein gestellt sind vorgesehen.

Bei einem Besuch der Klassen 2a und 2b der Grundschule Thulba kann ich endlich mit eigenen Augen sehen, worüber mich die Lehrerinnen Christiane Deublein und Patricia Waldig per mail oder telefonisch ständig begeistert auf dem Laufenden halten.

Die ganze Wand ist voll mit selbst gestalteten Plakaten zum Thema Schmetterling. Die Raupenhüllen werden gesammelt und geordnet. Ein selbstgeschriebenes Tagebuch ist prall gefüllt mit Fotos und Kommentaren zu Fridolin und seinen Geschwistern. Die Kinder beobachten genau, wurden dazu von den Lehrerinnen angeleitet. Es gibt sogar Videos zur Häutung. Beim ersten Mal dauert es nur eine Minute, beim dritten Mal schon fünf Minuten. Es ist gut zu sehen, wie anstrengend das für die Raupe sein muss, aus der alten Haut zu schlüpfen. Hin und her schwingt das Tier bis es endlich im neuen Kleid erscheint. Auch als Organisatorin des BN-Projektes lerne ich in dieser kurzen Zeit noch einiges, dazu. So sprudelt es nur aus den Kindern heraus, wie die Raupen leben und was sie brauchen. „Unsere Raupen fressen das Blatt komplett bis auf den Stiel auf, am Kirschbaum machen andere Raupen viele Löcher in die Blätter,“

„Bevor sie sich verpuppen, bekommen sie Durchfall, entleeren den Darm und rennen stundenlang im Kreis,“ erzählt Justin. Gut beobachtet, aber wozu soll das gut sein. Die Kinder überlegen und forschen mit ihrer Lehrerin nach. Warum trinken die Raupen nicht? Warum sind sie als kleine Raupen schwarz und werden später grün-schwarz? Fragen, die sich die Kinder selbst stellen und auch beantworten.

„Sich wieder mehr mit der Natur vor der Haustüre zu beschäftigen, ist ein Anliegen des BN. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus den Kindergärten und Schulen, bestätigen, dass wir mit dem Projekt einen Volltreffer gelandet haben. Es wird sicher nächstes Jahr weiergeführt. Die Teilnehmer haben ja die Puppen und können nun selbstständig weiterzüchten,“ freut sich BN-Vorsitzender Franz Zang. Von Wildflecken, Maßbach bis Wartmansroth sind Kinder damit beschäftigt Kirschblätter zu verfüttern. Denn die Raupen fressen und fressen, verdauen, wachsen und koten. „Die Kotkügelchen sind jetzt schon doppelt so groß wie die Eier am Anfang und sehen aus wie Blumen,“ bemerkt Lina. Auch Kinder aus dem Ort kommen vorbei und schauen sich die Raupen an. Das Projekt hat wahrlich Kreise gezogen. „Wir werden sicherlich nächstes Jahr wieder mitmachen,“ ist Waldig überzeugt, „Die Begeisterung und gute Stimmung in der Schule entlohnt für den Aufwand.“ Denn das darf man nicht verschweigen: Tägliches Füttern und Säubern der Behälter, auch am Wochenende und in den Ferien, kostet Zeit. Manche Kinder haben über die Ferien die Raupen selbstständig versorgt. Und es hat wunderbar geklappt. Die übertragene Verantwortung gibt Selbstbewußtsein. Bis auf eine haben alle 500 Raupen überlebt. Ist das in der Natur auch so? Da kommen wir im Unterricht darauf zu sprechen. „Nein, denn die Vögel wollen ja auch was fressen,“ bemerkt Justin, „Oder in manchen Gärten spritzen die Menschen Gift, das ist nicht gut für die Tiere. Oder es fehlen auf den Wiesen und Felder die Futterpflanzen für die Schmetterlinge.“

Übers Wochenende darf ich mir das Tagebuch und den Schaukasten mit den Kokons ausleihen. Aber am Montag wollen die Kinder der Thulbaschule „ihre“ Puppen wieder haben....